WILLKOMMEN BEIM STADTSENSOR

Der Stadtsensor, Teil von Quintessenz-Qualität, stellt ein weiteres Instrument zur Erfassung und Gestaltung von Qualität dar.

 

Der Stadtsensor macht aufmerksam, sensibilisiert in der Wahrnehmung, regt die Selbstreflexion an und initiiert eine eigene, neue Wirklichkeitsbildung.

 

Erlebe den Stadtsensor

Wolltest Du schon immer mal Deine Stadt neu sehen, hören, spüren, schmecken und riechen?

 

Dann triff den Stadtsensor auf einer Tour durch Zürich:

 

DI 13. März 2018, 18.00-19.00:

Triff den Stadtsensor und lass Dich sensorisch von Zürich überraschen

 

MI 28. März 2018, 12.00-13.00:

Erfahre zusammen mit dem Stadtsensor, wie Wasser schmeckt

 

Das Angebot ist kostenlos. Treffpunkt und weitere Informationen folgen nach Deiner Anmeldung.

 

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Der Stadtsensor trifft Dominik Flammer, Buch- und Drehbuchautor, Mitinhaber der Zürcher Agentur Public History Research

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Stadtsensor (dS): Buch- und Drehbuchautor, Mitinhaber der Zürcher Agentur Public History Research, Sensibilisierung rund um regionale und saisonale Kulinarik. Wie ist es dazu gekommen Dominik?

Dominik Flammer (DF): Begonnen hat alles vor ungefähr 15 Jahren. Damals startete ich mein Projekt in Zürich, bei dem ich mit Leuten Gerichte aus verschiedensten Ländern der Welt gekocht habe und wir die jeweiligen Zutaten auch zusammen in authentischen Läden in der Stadt eingekauft haben. Dabei ging es mir darum aufzuzeigen, wie sich das Angebot im Detailhandel verändert hat und wie multikulturell die Stadt geworden ist. Durch die grosse internationale Vielfalt habe ich irgendwann gemerkt, dass ich viel über Ernährung in weit entfernten Ländern weiss, jedoch nicht viel über die Küche in nahegelegen Ländern, insbesondere des Alpenraums. Dabei habe ich realisiert, dass meine nahe Umgebung zum Teil viel exotischer ist, als Dinge, welche von fernen Ländern kommen.

dS: Wie genau äussert sich diese exotische Note in der lokalen Küche?

DF: Aufgefallen ist mir, dass es keine nationale Küche innerhalb des Alpenraums gibt. Ein Beispiel dazu ist der «Schweizer» Käse, welcher nicht nur ein Schweizer Produkt ist, sondern sich auch durch die Migration im gesamten Kulturraum der Alpen verbreitet und verändert hat und somit den gesamten Alpenraum geprägt hat. Diese Region in den Alpen ist aufgrund seiner Lage im Herzen und seiner Rolle als Barriere der Drehscheibe Europas ein extrem spannender Raum. Kulinarische Einflüsse kamen durch den Handel aus allen Himmelsrichtungen zusammen und prägten dadurch die lokale Küche. Wenn man dies zur schon bestehenden grossen Vielfalt in unserer Region hinzufügt, ergibt sich eine sehr interessante und vielfältige Küche. Wir sind in einem Kulturraum, welcher sich über die nationalen und kantonalen Grenzen hinweg austauscht.

dS: Wird diese lokale Küche durch die momentane Rückbesinnung zu regionalen und saisonalen Produkten nun wieder vermehrt gefördert?

DF: Rückbesinnung ist ein gefährliches Wort, wenn man es falsch versteht. Das Erkennen einer Vielfalt durch eine Rückbesinnung ist die Basis für einen enormen Innovationsschub. Man kann nicht etwas komplett Neues aus dem Nichts erschaffen, sondern muss bestehende Dinge innovativ verändern und in einem neuen Kontext verwenden, um neue kulinarische Dinge zu erreichen.

dS: Sensibilisierst Du auch proaktiv die vermehrte Verwendung regionaler Produkte?

DF: Ich sehe mich hier schon ein wenig als ein Prediger mit einer Mission an. Ich stehe ein für eine multikulturelle Kulinarik und wir müssen weltoffen bleiben. 98% all unserer Lebensmittel stammen ursprünglich nicht von hier. Unsere Getreidesorten kommen aus dem mesopotamischen und asiatischen Raum, unser Obst und Gemüse stammen ursprünglich aus dem kasachischen Raum oder von Amerika. Traditionell europäische Gerichte wie zum Beispiel Tomatensalate oder Kartoffelgerichte, wären ohne einen Import dieser Nahrungsmittel aus Amerika gar nie möglich gewesen. Die Alpenregion, als erster kulinarisch globalisierter Raum, hat durch diese multikulturelle Vielfältigkeit ihre Wurzeln etwas vernachlässigt. Nun geht es mir nicht darum zu sagen, dass das eine besser ist als das andere, sondern darum, beides, regional wie auch global auf eine Stufe zu bringen, wo sie einander gleichwertig ergänzen und verbessern. Diese Sensibilisierung der Gleichwertigkeit ist mir ein grosses Anliegen.

dS: Wie nimmst Du die aktuelle kulinarische Situation in Zürich wahr?

DF: Die Stadt Zürich hat sich in den letzten Jahren zu einer absoluten Hochburg der Kulinarik entwickelt – über die Landesgrenzen hinaus. Die Entwicklung der kulinarischen Vielfältigkeit in Zürich ist rasant und lässt sich durch die Liberalisierung im Stadtleben erklären. Zudem ist die Stadt jünger und damit durchaus auch hipper und multikultureller geworden, man misst sich nicht mehr nur mit anderen Städten der Region, sondern auch mit kulinarisch führenden Städten der ganzen Welt. Dies führt zu einer Dynamik, welche unglaublich Freude bereitet.

dS: Sollte diesem Ansatz der Sensibilisierung des Alpenraums und der Besinnung zu Vorhandenem auch in Schulen einen Platz zugesprochen werden?

DF: Ich arbeite mit verschiedenen Lehrern und Autoren daran, dieses Wissen des kulinarischen Erbes und der lokalen Küche auf schulisches Niveau herunter zu brechen und ein interkantonales Lehrmittel herausgeben zu können. Zudem wollen wir einen Club gründen wo Kinder solche Dinge lernen können und an Kursen zu diesen Themen teilnehmen können. Auch jetzt leite ich schon Bildungen und Seminare zu diesen Themen.

dS: Wie verändert sich die Kulinarik durch die Digitalisierung?

DF: Die Digitalität hilft uns sehr, die Regionalität in allen Belangen besser erlebbar zu machen. Es gibt ein Beispiel eines Biobauern im Kanton Bern, welcher eine App entwickelt hat und mit dieser nun Land und den Anbau spezifischen Lebensmitteln an Privatpersonen und Gastronomen anbietet. Dieses Beispiel zeigt gut auf, wie Produzent und Koch perfekt vernetzt sein können. Auch der Kunde profitiert durch diese geförderte Transparenz. Die Digitalität hilft somit ungemein beim logistischen Aspekt der Kulinarik und führt mithilfe von sozialen Netzwerken auch zu mehr Präsenz und einer grösseren Sensibilisierung der Leute zur lokalen Küche.

dS: Vielen Dank Dominik für diesen inspirierenden und, sinneserweiternden Austausch.

Und Du, liebe Leserin, lieber Leser, wie nimmst Du das Thema der lokalen Kulinarik in der heutigen Zeit wahr?

 

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