WILLKOMMEN BEIM STADTSENSOR

Der Stadtsensor macht aufmerksam, sensibilisiert in der Wahrnehmung, regt die Selbstreflexion an und initiiert eine eigene, neue Wirklichkeitsbildung.

 

Erlebe den Stadtsensor


Wolltest Du schon immer mal Deine Stadt neu sehen, hören, spüren, schmecken und riechen?

 

Dann triff den Stadtsensor auf einer Tour durch Zürich oder Bern:

     

DO 7. März 2019, 18.00-18.45: 

Erfahre den Stadtsensor und erlebe, wie Zürich riecht

 

DO 11. April 2019, 18.00-18.45: 

Erfahre den Stadtsensor und erlebe, wie Wasser in Bern schmeckt

 

Das Angebot ist kostenlos. Treffpunkt und weitere Informationen folgen nach Deiner Anmeldung.

 

Was hinter dem Stadtsensor steckt und was dich an den Veranstaltungen erwartet erfährst du hier.

 

Aktuellster Beitrag

Der Stadtsensor trifft Emi Fukahori, Barista und Co-Founder Mame, World Brewers Cup Champion 2018

 

 

Der Stadtsensor (dS): Als Stadtsensor bin ich interessiert daran zu erfahren, wie Du zu Deiner Sensorik, Deinem Sensorium gekommen bist?

Emi Fukahori (EF): Als Japanerin bin ich seit meiner Kindheit fasziniert von verschiedenen Geschmacksnoten. Als Kind erlebte ich jeweils am Wochenende durch unsere Familienausflüge spezielles Essen, die damit verbunden unterschiedliche Geschmacksrichtungen inklusive. Ich bin also mit sensorischen Erlebnissen und Erfahrungen aufgewachsen.

Zum Kaffee kam ich erst vor 4 Jahren. Dabei war es insbesondere die Auseinandersetzung und das Verstehen, warum ein Kaffee so unterschiedlich schmecken und riechen kann. Ich war immer schon fasziniert, was ein Kaffee sensorisch anbieten kann. 

dS: Welcher von unseren fünf Sinnen (hören, riechen, schmecken, sehen, tasten) brauchst Du am meisten?

EF: Wenn es um Kaffee geht - natürlich schmecken und riechen - aber auch das Visuelle hat eine grosse Bedeutung für mich. Ich mag es sehr zu sehen, wenn Menschen Freude an meinen zubereiteten Kaffees haben (lacht). Hören kommt natürlich auch zum Tragen, beispielsweise wenn man Milch schäumt. Eigentlich werden alle Sinne rund um den Kaffee und dessen Zubereitung verwendet.

dS: Wie sind Deine Kunden hinsichtlich Wahrnehmung sensibilisiert?

EF: Unsere Kunden zeigen ein grosses Interesse an unseren Kaffees und äussern auch Fragen rund um Geschmack und Aromatik. Sie fragen bei uns nach, warum ein Kaffee genau so schmeckt und riecht, wie er eben schmeckt und riecht.

dS: Denkst Du, dass der Mensch durch die Digitalisierung über mehr Informationen und Wissen hinsichtlich Sensorik verfügt?

EF: Ja, eindeutig. Unsere Kunden informieren sich meistens online über uns und unseren Kaffee. Offline findet dann die Erfahrung, der Austausch rund um das Erleben bei uns im Café statt.

dS: Gibt es aktuell eine Geschmacksrichtung/-tendenz, welche bei Euren Kunden angesagt ist?

EF: Ein Trend bei uns ist das Herausschmecken und Wahrnehmen eines beerigen Kaffeegeschmackes. Dies führt immer wieder bei Kunden zu «Wow-Erlebnissen». Andere Geschmacksrichtungen stellen aber schon eine Herausforderung dar und sind schwierig zu erkennen und zu benennen.

dS: Was wäre so ein «schwieriger Geschmack»?

EF: Dies hängt immer sehr von der Herkunft der Menschen ab. Bei mir beispielsweise sind es die unterschiedlichen Apfelnoten (Roter oder grüner Apfel, Gala, Granny Smith, Pink Lady etc.).
Ich bin gut im Erkennen von allen Beeren und tropischen Früchten (Mango, Papaya, Sternfrucht usw.), was auch wieder mit meiner Herkunft und meinen gespeicherten Geschmackserfahrungen zusammenhängt. Für unser Training machen wir Früchteverkostungen, bei welchen wir ein paar Tropfen der gepressten Frucht mit Wasser mischen und entsprechend degustieren. Dabei hat das konsequente Repetieren und (An)trainieren einen wichtigen Stellenwert.

dS: In Eurem Kaffee Mame hängt ein grosses Aromarad hinter dem Tresen. Habt Ihr das selbst entwickelt?

EF: Das klassische, in der Kaffeeszene bekannte Aromarad, ist sehr komplex. Gerade für Neukunden ist es sehr schwierig, aus der grossen Vielfalt des Aromarades einen Geschmack auf die Schnelle herauszulösen. Entsprechend haben wir für unsere Kunden das Rad vereinfacht. Es ist insbesondere für die Bestellung eines Kaffee ein Kommunikationstool. So zum Beispiel fragen wir, ob der Kunde lieber Schokolade oder Früchte mag. Durch diese Vereinfachung des Aromarades können sich alle etwas darunter vorstellen.

dS: Ihr bietet auch Seminare und Workshops an.

EF: Ja, dies bieten wir an. Beispielsweise in den Barista-Kursen ist nebst der Zubereitung die Vermittlung der Sensorik mit den fünf Geschmacksrichtungen ein zentraler Teil.

dS: Was sind Deine nächsten Projekte?

EF: In diesem Jahr mache ich Vorbereitungskurse für die q-breading quality control. Normalerweise fokussieren wir uns immer darauf, wie ein qualitativ gut zubereiteter Kaffee riechen und schmecken soll. In diesem Kurs geht es in eine ganz andere Richtung. Wir nehmen die Fehler in den Fokus. Also beispielsweise herauszuschmecken und -riechen, wann die Kaffeebohne einen gewissen Fehler vor und nach dem Rösten aufweist und diesen Fehler entsprechend benennen können.

So bin ich aktuell beispielsweise mit Fehlern von zu bitteren oder zu trockenen Bohnen gut vertraut. Da gibt es aber ein weitaus grösseres Spektrum an Fehlern und genau dieses bin ich mir nun am Aneignen um die Qualität unseres Kaffees noch weiter voranzutreiben.

dS: Hört sich spannend und vielversprechend an.Vielen herzlichen Dank Emi für diesen sensorischen, ausgesprochen anregenden Dialog. 

 

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